Antje Lezius zu Besuch an der BBSW

Bundestagsabgeordnete besucht ihre alte Schule

Ca. 40 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums vergangenen Freitag die Möglichkeit, Antje Lezius mit Fragen „zu löchern“.

Man hat nicht mehr so viel Zeit als neue Bundestagsabgeordnete, umso intensiver nutzten knapp 40 Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums vergangenen Freitag die Möglichkeit, Antje Lezius mit Fragen „zu löchern“. Nach der Begrüßung durch den Schulleiter der Berufsbildenden Schule Wirtschaft Herrn Mildenberger erstrahlt ein Lächeln auf ihrem Gesicht, als sie sich an ihre eigene Schulzeit erinnert und stolz erklärt: “Ich hätte mir damals als Schulabgängerin niemals träumen lassen, einmal Mitglied des Bundestags zu sein. Alles ist möglich. Auch für euch!“

Doch schon bei der ersten brisanten Frage wird sie ernst: Schulsozialarbeit. Ein Schüler will wissen, warum man ausgerechnet in diesem wichtigen Bereich Kürzungen an der Berufsbildendenden Schule Wirtschaft vornehmen wolle. Die Abgeordnete betont, dass auch sie die Ansicht vertrete, dass diese Arbeit fortgeführt werden müsse, doch sei das Ganze von Anfang an als Projekt ausgelegt und zeitlich befristet gewesen. Eine andere Schülerin bittet um eine Stellungnahme zu den Realschulen Plus und das Zusammenlegen von Schulen in Rheinland-Pfalz, wobei hier der demographische Wandel als zentrale Ursache gesehen wird.

Nach weiteren kritischen Fragen gewährt sie einen anschaulichen Einblick in das neue Leben einer Abgeordneten: Wahlkampf, Sieg, Reise nach Berlin, Trauer bei der FDP und deren Auszug aus vielen Büros, die nun von den „Neuen“ besetzt werden. „Haben Ihnen die Verlierer nicht leid getan?“, unterbricht ein Mädchen. Antje Lezius überlegt und verweist auf unsere Demokratie. Es sei sicherlich für viele Mitarbeiter traurig gewesen, aber die Wähler hätten entschieden. Was sie genau empfunden habe, als sie zum ersten Mal im Bundestag gesessen habe: „Demut! Alle 631 wurden aufgerufen. Es war ein erhebender Moment!“

Dass man allerdings tatsächlich sehr viel seines „vorherigen Lebens“ aufgeben muss, wird den Schülern deutlich, als sie von ihren Terminen erzählt: 22 Wochen im Jahr in Berlin, von montags bis freitags, mehrere Büros und dennoch der Wunsch heimatverbunden zu bleiben. Dass ihr Idar-Oberstein am Herzen liegt ist während der ganzen Veranstaltung zu spüren, auch als es um die Kritik der Jugendlichen geht, es würde nicht genug angeboten und man werde nach Schule auf jeden Fall diese eher als trostlos empfundene Gegend verlassen. Gegen diese negative Stimmung müsse man angehen. Gerade Idar-Oberstein biete doch viele Sehenswürdigkeiten und drei Männer hätten sogar in Eigenregie eine Disco eröffnet. „Ihr seid die Zukunft! Ihr solltet euch einbringen und auch aktiv werden!“, so ihr Appell.

Zu Beginn des Themas „Facebook und Twitter“ sind sich nahezu alle einig, dass man „Kontrolle“ über seine Daten und Bilder habe. Klar werde man überwacht, aber was soll denn jemand mit solchen Informationen anfangen, außerdem schütze man seinen „privaten Bereich“. Nur ausgewählte Benutzer könnten nähere Informationen erhalten. Dass rheinland-pfälzische Lehrer nun die Anweisung bekommen haben, in ihrer beruflichen Funktion mit den Schülern nicht mehr über „Facebook“ zu kommunizieren findet man nicht unbedingt spektakulär. Ein wenig lebhafter wird die Diskussion allerdings, als ein Mädchen kleinlaut erzählt, dass man ihr Foto „geklaut“ habe und sie auch im Netz beleidigt worden sei. Solche Netzwerke würden auch von Arbeitgebern gezielt herangezogen und nicht alles könne man später „als Jugendsünde“ so einfach entschuldigen. „Seid nicht zu sorglos!“, die Abgeordnete.

Zum Thema Waffenhandel hält sie sich bedeckt. Das sei nicht ihr Bereich und das Thema zu diffizil. Halb zwölf. Keine Unruhe, kein Drängen. Die Stunde ist vorbei. Man hätte ihr noch zuhören können. Doch: Man hat nicht mehr so viel Zeit als neue Bundestagsabgeordnete...

Lesen Sie diesbezüglich auch die Berichterstattung der Stadtfacette.