Fachkräfte sind wichtigster Standortfaktor

Berufsschule besteht seit 175 Jahren

Ihr 175-jähriges Bestehen beging gestern die Berufsbildende Schule Idar-Oberstein/Harald-Fissler-Schule mit einem Festakt und einem Tag der offenen Tür, der ein umfangreiches Programm bot. Gleichzeitig habe man in diesem Rahmen auch drei andere Jahrestage zu begehen, erklärte Schulleiter Gerd Zimmermann bei seiner Begrüßung: Das Wirtschaftsgymnasium wurde 45 Jahre alt, das Technische Gymnasium 25 Jahre, und vor genau einem Jahr schließlich ist die Fusion der Berufsbildenden Schulen Wirtschaft und Technik vollzogen worden.

Als Festrednerin war Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig aus Mainz angereist. Sie erinnerte an den Gründer der Schule, den Kupferstecher Konrad Wissmann. Dies sei seinerzeit ein anspruchsvoller und viele Fachkenntnisse erfordernder Beruf gewesen, erklärte die Ministerin. Und diese Verbindung von Kunst und moderner Technik präge das Profil heute noch. Dabei sei die Schule stets mit der Zeit gegangen und habe sich modernen Anforderungen gestellt. Dabei habe sie mit ihrer Landesfachschule für Goldschmiede und Graveure auch eine Funktion über die unmittelbare Region hinaus.

Besonderes Lob fand Stefanie Hubig für die internationale Ausrichtung der Schule. Sie gehöre nicht nur zu den 18 ersten Europaschulen des Landes, sondern habe sich auch besondere Verdienste bei ihren Bemühungen für die Integration von Migranten erworben. Sie betonte die besondere Bedeutung der dualen Ausbildung, die allein daran zu erkennen sei, wie man derzeit Handwerker „an allen Ecken und Ende“ suche. Daher sei es auch von besonderer Bedeutung, die Ausbildungsangebote in der Fläche aufrechtzuerhalten. Einen weiteren Schritt für die Zukunftsfähigkeit der BBS werde mit der Einrichtung des Fachs Sozialassistenz, in dem vom Schuljahr 2019/2020 an Erzieher ausgebildet werden, gemacht.

Landrat Matthias Schneider verwies als Vertreter des Schulträgers auf die Anfänge der Schule im Jahr 1843 und darauf, dass die anfängliche Schülerzahl von 31 bald auf sieben zurückgegangen sei. Das zeige, wie wenig die Betriebe in jener Zeit der beginnenden Industrialisierung den Wert schulischer Fachbildung zu schätzen wussten. Ein grundlegender Wandel sei erst mit Einführung der Schulpflicht im Jahr 1880 eingetreten. Das habe zu stetig steigenden Schülerzahlen geführt und dazu, dass vor der Fertigstellung der BBS Wirtschaft im Jahr 1958 der Berufsschulunterricht im Kreis auf 27 Schulstandorte verteilt gewesen sei. Erst mit der Fertigstellung der BBS Technik im Jahr 1967 sei diese Aufsplitterung endgültig überwunden worden. Schneider appellierte an die Ministerin, angesichts der demografischen Entwicklung und des damit verbundenen Bedarfs an Pflegekräften die Einrichtung einer Fachrichtung Gesundheit und Soziales voranzutreiben, er beschrieb das Vorhandensein von Fachkräften als heute wichtigsten Standortfaktor.

Oberbürgermeister Frank Frühauf erinnerte in seinem Grußwort an einen Ausspruch des Freiherrn von Knigge: Man ist viel wert in der Welt, wenn man sein Fach beherrscht. Er selbst sei während seiner Kfz-Lehre hier zur Schule gegangen, sei mit 22 Jahren der jüngste Kfz-Meister des Landes gewesen und habe es inzwischen zum Oberbürgermeister gebracht, was zeige, dass der Meister nicht weniger wert sei als der Master.

IHK-Vizepräsident Lothar Ackermann erinnerte an die Verdienste des früheren Landrats Wolfgang Hey, der dafür gesorgt habe, dass die Schulen entsprechend der heutigen Anforderungen modernisiert wurden. Kreishandwerksmeister Alfred Wenz unterstrich, das Handwerk sei das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, und lobte die gute Kooperation der Berufsschule mit den Betrieben und Arbeitnehmervertretern.

Nahe Zeitung vom Donnerstag, 13. September 2018, Seite 17